Library Biometric Surveillance
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Situation
A privacy advocate writes an open letter protesting the installation of facial recognition software in public lending libraries.
Deutsch
Sehr geehrte Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung, ich schreibe Ihnen, um meine tiefe Besorgnis über die geplante Einführung von Gesichtserkennungssoftware in unseren Bibliotheken auszudrücken. Ein solches, die Privatsphäre der Bürger massiv einschränkendes Überwachungssystem darf unter keinen Umständen in den Alltag der Bevölkerung eingeführt werden. Es muss verhindert werden, dass sich autoritäre Tendenzen schleichend in unsere demokratischen Institutionen einschleichen. Der Bundesverband der Datenschützer hat bereits bekräftigt, dass die Aufrechterhaltung der informationellen Selbstbestimmung oberste Priorität haben muss. Die von der Verwaltung zur Sicherheit beschworenen Vorteile stehen in keinem Verhältnis zu den Risiken. In einer Bibliothek, einem Ort des freien Denkens, sollten Besucher nicht in Echtzeit biometrisch überwacht werden können. Sämtliche erfassten Daten müssten gemäß dem Gemeinwohl sofort verschlüsselt werden, doch wer garantiert deren dauerhaften Schutz? Die Glaubwürdigkeit unserer Stadt steht auf dem Spiel, wenn wir die digitale Souveränität des Einzelnen opfern. Selbst die Geschichtsschreibung lehrt uns, dass totale Kontrolle oft die Dramaturgie einer gesellschaftlichen Unterdrückung einleitet. Selbst unter dem Vorwand, die Sicherheit vor einer fiktiven Terrororganisation zu gewährleisten, darf die Freiheit nicht in den Gewahrsam des Staates gegeben werden. Sollten diese Pläne nicht gestoppt werden, könnte ein Kläger das Verfassungsgericht anrufen, um die Wiederherstellung des Rechtszustands zu erzwingen. Es darf keine Konzession an die Überwachungsindustrie gemacht werden, da der Schutz der Privatsphäre ebenso wie der Denkmalschutz zum Erhalt unserer kulturellen Identität gehört. Die Würde der Bürger muss als das höchste Wertpapier unserer Gesellschaft betrachtet werden. Wir fordern daher, dass diese Maßnahmen in der nächsten Hauptversammlung des Kreistags erneut debattiert werden müssen.
English
Dear members of the city council, I am writing to express my deep concern regarding the planned introduction of facial recognition software in our libraries. Such a surveillance system, which massively restricts the privacy of citizens, must under no circumstances be introduced into the daily lives of the population. It must be prevented that authoritarian tendencies creep into our democratic institutions. The Federal Association of Data Protectors has already reaffirmed that the maintenance of informational self-determination must have the highest priority. The benefits invoked by the administration for the sake of security are disproportionate to the risks. In a library, a place of free thought, visitors should not be able to be monitored biometrically in real-time. All recorded data would have to be encrypted immediately in accordance with the public good, but who guarantees their permanent protection? The credibility of our city is at stake if we sacrifice the digital sovereignty of the individual. Even historiography teaches us that total control often initiates the dramaturgy of social oppression. Even under the pretext of ensuring security against a fictional terrorist organization, freedom must not be placed into the custody of the state. Should these plans not be stopped, a plaintiff could appeal to the Constitutional Court to force the restoration of the legal status. No concession should be made to the surveillance industry, as the protection of privacy, like the protection of historical monuments, belongs to the preservation of our cultural identity. The dignity of citizens must be regarded as the highest security of our society. We therefore demand that these measures must be debated again in the next general assembly of the district council.